
Die Einreiseprozedur nach Sierra Leone ist recht langwierig, immer und immer wieder prüft der Beamte die Pässe und obwohl wir die einzigen Grenzgänger sind, sind wir erst zwei Stunden später abgefertigt. Zuguterletzt, als wir und der Bus die Einreiseerlaubnis haben, soll Ursel plötzlich auch noch einen Stempel bekommen. Doch wohin – in den Impfpass? Nach einiger Diskussion lassen sie uns schließlich gehen.
Die Piste ist sehr schwierig und inzwischen durch dschungelartige Wälder mit vielen kleinen Dörfern. Unser Ziel ist der Outamba-Kilimi Nationalpark, wo wir direkt am Fluss campen können. Frühmorgens, der Morgendunst schwebt noch über dem Fluss, machen einige von uns eine Bootstour zu den Flusspferden und kehren begeistert zurück. Andere Tiere zeigen sich nicht.
Aber wir sind von der Landschaft, den Menschen und den Dörfern begeistert. Auf dem Weg in die große Stadt Makeni wartet mal wieder eine Fährpassage auf uns. Diese Fähre allerdings ist so klein, dass wir den Bus und den Hänger einzeln transportieren müssen. Also Hänger abhängen, zwei fahren mit dem Bus ans andere Ufer, einer bleibt beim Bus, der andere fährt wieder mit zurück und gemeinsam mit vielen helfenden Händen wird der Hänger auf die Fähre gehievt, es sieht ganz schön gefährlich aus. Das Manöver verläuft ohne gravierende Schäden und am Nachmittag erreichen wir Makeni.
Sierra Leone ist auf campende Touristen überhaupt nicht eingestellt und so gestaltet sich die Suche nach einem Übernachtungsplatz in der Stadt sehr schwierig. Das teuerste Hotel am Platz will uns “Landstreicher” überhaupt nicht haben, viele kleine Motels haben keinen entsprechenden Parkplatz für uns und selbst die christliche Mission, die einen wunderschönen parkähnlichen Garten hat, verlangt, dass wir Zimmer nehmen und nicht zelten.
Wir klappern jede Unterkunft der Stadt ab und sollen schließlich auf dem Hühnerhof eines Motels stehen können, die Besitzer sind sehr freundlich und immerhin flexibel. Schlussendlich passen wir doch noch auf den Parkplatz und werden ordentlich bewacht, obwohl das Grundstück schon mit Stacheldraht auf den Mauern versehen ist.
Am nächsten Tag gehen Karsten und ich in ein Krankenhaus und wollen einen Malariatest machen lassen, denn Karsten hat seit ein paar Tagen Fieber und fühlt sich nicht wohl. Der Test ist negativ, es handelt sich glücklicherweise nur um eine harmlose Mandelentzündung.
Auf dem Weg Richtung Freetown werden wir an jeder Polizeistation gefragt: “Whatis your mission?” Zuerst müssen wir schmunzeln, aber es ist gar nicht so einfah zu erklären, dass wir “ohne Grund” und einfach so durchs Land reisen. Also müssen wir uns eine Mission zulegen.
Das Unverständnis der Polizisten geht aber noch weiter. In Freetown werden wir angehalten, weil wir mit “ungültigen” Nummernschildern fahren. Karsten erklärt geduldig, dass wir und das Auto aus Deutschland kommen und deswegen auch deutsche Nummershilder haben und das alles seine Ordnung hat. Vergeblich, die Antwort ist: “Du bist hier in Sierra Leone, also brauchst du auch Nummerschlilder aus Sierra Leone, es kann ja hier nicht jeder machen, was er will.” Alles Reden hilft nichts, wir müssen mit zur Polizeistation. Dort zeigen wir wieder alle Papiere und dürfen gehen, das Problem hat sich in Luft aufgelöst. Eine halbe Stunde später beim nächsten Polizeiposten führen wir diesselbe Diskussion, langsam wird es zermürbend.
Unser Ziel sind die traumhaften Strände südlich von Freetown, hier hat der Reiseführer wirklich nicht übertrieben. Palmen säumen feine Sandstrände und dahinter erheben sich grün die Berge, Fischer ziehen ihre Netze an Land, die Botte leuchten farbenfroh und das Wasser hat Badewannentemperatur.
In den kleinen Orten geht es sehr ursprünglich zu, nur dort, wo schonmal das Wort “Tourismus” gefallen ist, haben die Menschen plötzlich Dollarzeichen in den Augen und wollen alles Geld der Europäer essen, wie man hier so schön sagt. Es werden unverhältnismäßig hohe Preise verlangt und meist gibt es kaum eine Gegenleistung dafür. Diese Art Tourismus ist nicht das, was wir suchen und das trübt unsere Eindrücke vom Land etwas. Es ist oft schwierig, einen passenden Platz für uns zu finden und die Menschen reagieren oft anders, als wir es aus den anderen westafrikanischen Ländern kennen.
Wenn wiruns irgendwo hinstellen, kommen normalerweise die Leute und begrüßen uns freundlich, fragen nach woher und wohin und manchmal bekommen wir sogar ein kleines Begrüßungsgeschenk, was wir naürlich auch erwidern. In Guinea im Fouta Dialon haben uns die Knder z.B. Feuerholz gebracht.
Suchen wir hier in Sierra Leone einen Platz, kommen die Leute und fragen verärgert: “Wer bist du, was willst du hier, das ist mein Land, verschwinde oder ich hole die Polizei!” Etwas bekannt kommt uns das schon vor, allerdings nicht aus Afrika.
Meist können wir die Situation entschärfen und ins Gegenteil umkehren. Beim Charlotte-Waterfall z.B. hat uns die Dorfälteste Kathrin genau so begrüßt. Nach einigem Reden gab sie sich dann damit einverstanden, dass wir da stehen und sagte, sie habe ja gerne Besuch. Und am nächsten Morgen war sie von uns “ruhigen Campern” sehr begeistert und wir dürfen jederzeit wiederkommen. Wir lassen Gastgeschenke da und bekommen noch etwas Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten. So machen wir also auch schöne Erfahrungen hier. Die einfachen Leute sind sehr herzlich, neugierig und hilfsbereit.
Wir besuchen das “Tacaguma Chimpanzee Sanctuary” südlich von Freetown und erfahren viel über das Schicksal der Tiere. Viele der ca. 100 dort lebenden Schimpansen werden gejagt und kommen verletzt ins Reservat oder werden als Haustiere angeschafft und später, wenn sie groß sind, wieder ausgesetzt. Hier werden sie resozialisiert und in verschiedenen Gruppen auf das Leben in Freiheit vorbereitet, damit sie irgendwann in den geschützten Wäldern der umgebung ausgewildert werden können.
Für Wolfram, Denise und Mike geht die Reise langsam zu Ende, sie müssen sich gedanklich wieder auf den europäischen Winter einstellen.






also für sierra-leone fehlte mir bisher immer die courage , respekt !
seit ihr dort mit carnet eingereist , oder gab es ein passavent an der grenze ?
wir sind mit carnet eingereist. ein passavent kann man glaub ich auf der botschaft mit dem visum beantragen, aber ich bin nicht mehr ganz sicher.