Das Abenteuer lässt uns nicht mehr los

IMG 3837-130x130 Unser neuer Mitreisender Dirk kommt mit einem großen Überlebenspaket an, er ist für alle Eventualitäten gerüstet und versorgt uns mit Bifis und Wurst aus Europa. Ewa und Marc kommen mal wieder ohne Gepäck, aber zwei Tage später können wir es tatsächlich in Freetown abholen.

Zuerst geniessen wir noch zwei schöne Tage am Lakka Beach nahe Freetown, wo wir einen herrlichen Platz an einer Strandbar gefunden haben und die Jungs uns köstlich bekochen.
Dann gehts ins Landesinnere, unser Ziel ist der kleine Nationalpark auf “Tiwai Island”.
Wir verbringen eine Nacht in der Nähe von Bo, am Fluss Sewa, wo die Bewohner mit kleinen Einbäumen mühsam Sand aus dem Fluss gewinnen.

Dann folgen wir weiter der Piste mit der Beschilderung “Tiwai Island” und stehen plötzlich vor einer defekten Brücke. Hier ist die Straße für uns zu Ende und wir haben keine Ahnung, wie weit es noch ist. Kein Schild und nichts deuten auf irgend etwas hin.
Wir fahren ein Stück zurück und treffen irgendwann einen Einheimischen, der uns sagt, dass es nach der Brücke nur noch etwa 500 m zu Fuß sind.
Also schlagen wir unser Camp kurzerhand vor der Brücke auf und machen eine Tour auf die Insel für den nächsten Tag klar.

Die Nacht im Urwald ist traumhaft und voller “Ökolärm”. Frühmorgens in der ersten Dämmerung sind wir am Fluss mit dem Bootsführer verabredet, der uns auf die Insel bringt. Dort wartet bereits unser Guide auf uns und zu Fuß geht es ab in den Dschungel. Auf schmalen Pfaden kletten wir über mannshohe Brettwurzeln und lassen uns alles über diese Bäume erklären. Ihre Rinde dient als Medizin und wenn man mit der Machete auf die Wurzeln schlägt, erzeugen sie typische Geräusche ähnlich von Trommeln.

Die Affen, die es hier geben soll, sind an diesem Morgen aber augenscheinlich noch nicht unterwegs, der Guide meint, sonst würden sie immer laute Geräusche machen und sich gegenseitig rufen, aber heute ist alles recht ruhig. Dennoch können wir nach eineinhalb Stunden Fußmarsch noch ein paar Affen in den Baumwipfeln entdecken, es sind Blackwhite Colobus und Red Colobus. Ein paar Hornbills machen typische Fluggeräusche und es gibt Ameisen, die klappern eigentümlich, wenn man ihnen zu nahe kommt.
Das ist aber schon die ganze Ausbeute, und das überall beworbene Pygmäenhippo lässt sich nirgends sehen und ist wohl auch sehr selten. Die Tour durch den Dschungel ist schon ein Erlebnis, nur von der Tierwelt sollte man nicht allzuviel erwarten.

Auf dem Rückweg über den Fluss hält unser Bootsführer auf einmal mitten auf dem Wasser an und stellt uns den Dorfältesten vor, der am Ufer steht. Wir sollen doch noch etwas für die Community tun und für unser Camping auf der Piste bezahlen. Wir finden es ganz schön mies, dass wir mitten auf dem Wasser dazu genötigt werden und reagieren entsprechend. Leider erhält unser Besuch dadurch auch einen kleinen faden Beigeschmack.

Wir fahren auf einer anderen Piste Richtung Kenema durch schöne Urwalddörfer, als es plötzlich mörderisch kracht und wir links von unserem Rad überholt werden – die Achse des Anhängers ist gebrochen!
Hmm, kurze Diagnose und Lagebesprechung, dann baut Karsten die Achse aus und ich bleibe mit Ewa und Torsten beim Hänger, während die anderen nach Kenema fahren und versuchen, die Achse schweißen zu lassen.
Am Abend – es ist schon stockfinster – kehren sie zurück, mit Moustafa aus der nächsten Autowerkstatt, der sehr behilflich war. Die Achse konnte geschweisst werden, allerdings ist sich niemand sicher, wie lange das ganze halten würde. Für die Bewohner des Dorfes ist das ganze natürlich ein Riesenspektakel, wie man sich vorstellen kann.

Wir bringen Moustafa zurück und er zeigt uns einen ruhigen Platz für die Nacht. Als Karsten ihn fragt, ob es auch wirklich ein ruhiger Platz ist, mit weniger Kindern als hier im Dorf, lächelt er nur. Schlussendlich zeigt er uns einen Platz auf dem Gelände einer Schule. Icon Smile
Spätabends ist es hier wirklich ruhig, aber wir wissen natürlich, was uns am nächsten Morgen erwarten wird. Icon Smile

Erwartungsgemäß haben wir dann auch etwa 200 Zuschauer beim Frühstück, aber sie sind alle sehr freundlich und zeigen uns ihre Schule.
Wir haben kaum das Schulgelände verlassen und sind gerade auf dem Weg zu Moustafas Werkstatt, als die Achse wieder bricht! Die Reparatur hat also ganze 10 km gehalten!

Karsten baut die Achse abermals aus und wieder fahren wir nach Kenema, diesmal in eine polytechnische Anstalt. Sie wollen eine Achse nachbauen, das zieht sich allerdings ziemlich lang hin, denn ständig fällt der Strom aus. Abends ist sie immer noch nicht fertig, das bedeutet, dass wir am nächsten Morgen wieder nach Kenema müssen, um das Werk zu vollenden.

Nach knapp zwei Tagen stehen wir dann wieder fahrtüchtig auf der Straße. Karsten hat zwischenzeitlich mit Markus in Dresden telefoniert, der ein paar Tage später in Conakry zu uns stoßen wird und vorsorglich noch ein paar Ersatzteile mitbringen soll.
Wir erreichen ohne weitere Schäden Conakry und mieten uns in der Katholischen Mission ein.