Endlich findet uns das Abenteuer

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Die Folgen der Einreise über die “grüne Grenze” bekommen wir sofort zu spüren. In Youkounkoun stoßen wir auf einen Polizeiposten und wollen bei ihm die Einreiseformalitäten erledigen. Er ist darüber gar nicht erfreut, erklärt uns grimmig, dass wir illegal eingereist sind und will am liebsten unseren Bus beschlagnahmen. Nach vielem Reden und Erklären ist er bereit, uns nach Koundara zu begleiten und mit uns die Formalitäten zu absolvieren, danach seien wir wieder “frei”.

Es ist schon später Nachmittag und eine Wellblechpiste führt nach Koundara. Immer wieder kreuzen Fußgänger und Tiere den Weg. Ein Schaf schafft es nicht, rechtzeitig beiseite zu springen, der Bus tutscht beim Bremsen und erwischt das Tier am Hinterlauf. Auch das noch, und der Polizist ist Zeuge!!
Einige Tage zuvor hat uns Denise noch gefragt, was passieren würde, wenn man ein Tier überfährt und Karstens Antwort war, dass er das bis jetzt noch nicht ausprobiert hat. Irgendwann ist eben immer das erste Mal.

Der Besitzer des Schafes ist recht schnell ausfindig gemacht und so wird es an Ort und Stelle geschlachtet, ausgenommen und zerlegt. Da wir das Tier ohnehin bezahlen sollen, wollen wir es auch haben und auf den Grill legen. Wir suchen die besten Stücke aus und verschenken den Rest an die Neugierigen, die sich mittlerweile eingefunden haben.
Nach dieser weiteren Verzögerung sind wir erst bei Einbruch der Dunkelheit in Koundara und nachdem die Formalitäten noch ihre Zeit in Anspruch nehmen, ist es stockfinster, bis wir wieder “frei” sind.

Wir haben noch imme keine Unterkunft und da ist ja auch noch die Mission, die wir zu erfüllen haben. Wir sollen Mariama finden, für die uns Philippe in Nouakchott etwas mitgegeben hat. Glücklicherweise fügen sich die Dinge manchmal von selbst.
Wir fragen nach Mariama und finden ziemlich schnell ihr Wohnhaus. Die Familie erklärt uns, dass Mariama gerade in Conakry ist. Schade! Wenigstens können wir in der nahe gelegenen christlichen Mission unser Nachtlager aufschlagen, also ist das auch geklärt.

Als Karsten am Morgen aus dem Zelt schaut, sagt er: “Da liegt ein Hund unter unserem Tisch.” Er schaut zum zweiten Mal hinaus und meint nun: “Jetzt sitzt eine Frau an unserem Tisch.” Es ist ungewöhnlich, dass jemand unsere Stühle benutzt, aber schnell stellt sich heraus, dass es Mariama ist. Sie ist in der Nacht aus Conakry zurück gekehrt und hat uns also eher gefunden als wir sie. Wir laden sie zum Frühstück ein und übegeben ihr alles, was uns Philippe mitgegeben hat und zeigen ihr die Fotos, die wir von ihm in Nouakchott gemacht haben.

Sie begleitet uns auf den Markt und stellt uns ihren Bruder vor, der eine kleine Bar in der Stadt hat. Beide helfen uns bei unseren Besorgungen und passen auf, dass uns ja niemand “übers Ohr haut”. Wir danken Philippe für diese Begegnung mit zwei sehr lieben Menschen und hoffen, dass wir sie auf dem Rückweg nochmal treffen werden.

Nun wartet das schwierigste Stück Strecke auf uns. Es geht übe die Berge des Fouta Dialon nach Labé und dann weiter in die tropische Region. Die Piste ist extrem schwierig und fordert von allen Kraft und Nerven. Dafür werden wir mit einer grandiosen Landschaft belohnt. Es ist mittlerweile sehr grün geworden, meterhoher Bambus und Palmen bilden schon fast einen Wald. Es riecht süß nach wildem Jasmin und manchmal geben die Bäume einen Panoramablick auf die Berge frei.

Glücklicherweise sind die Temperaturen aushaltbar und nach stolzen 75 Tageskilometern schlagen wir unser Lager auf.
Touristische Einrichtungen gibt es schon länger nicht mehr und unsere Ansprüche an Komfort sind gegen Null gesunken. Wir versuchen, an Flüssen und Bächen zu campen, wo wir Süßwasser haben und uns waschen können.
Dafür ist heut das Schaf dran, langsam zieht es über dem Feuer gar, ist butterzart und schmeckt allen köstlich. So ist es wenigstens keinen sinnlosen Tod gestorben.

Nach drei harten Pistentagen erreichen wir in Labé wieder Asphalt, fahren in 1200 Metern Höhe durch richtige Pinienwälder und tauchen dann in die tropische feuchte Zone ein.
An einem Wasserfall, dem “Voilee de Marie”, der von einem kleinen Teakholzwald umgeben ist, erholen wir uns zwei Tage, bevor es auf guter Piste durch malerische Dörfer in Richtung Sierra Leone geht.