Darf ich traurig sein?

Dsc00036-130x130 Unser Mitreisender Wolfram aus Dresden schreibt über seine Tour mit uns im Januar 2010 von Burkina über Ghana, Togo und Benin zurück nach Burkina:

Vor vier Wochen habe ich meine Hände an den Tourbus gelegt mit den Worten: “Ich bin angekommen.” – Darf ich jetzt vier Wochen später traurig sein?

Es liegt eine Menge an Erlebnissen dazwischen – Afrika empfängt mich mit heißer Luft und ist oft laut.
Die Mamas von Afrika kochen für uns auf dem Markt oder am Straßenrand – man darf nur keine Hemmungen haben.
Der Atlantik ist warm und meist rauh – man mus vorsichtig sein beim Baden.
Accra, Cotonou und andere Städte sind chaotisch – zumindest ist das mein Eindruck. Aber verglichen mit Lusaka, Dar Essalam oder Kampala ist es nicht anders und es ist mir bekannt.
Genauso bin ich nicht mehr überrascht, dass jede Straße, ob in der großen Stadt oder im kleinen Dorf – ein einziger Handelsplatz ist – ich schlendere gern die Straßen entlang.

Es liegt eine Menge an Fahrtstrecke hinter uns – mit Karsten am Lenkrad des Tourbusses kein Problem und als wäre der Tourbus samt Anhänger im afrikanischen Straßenverkehr geboren.
Unendlich viele Mopeds und Motorräder sind unterwegs, denen wir ausweichen, die wir überholen und die wir mit unserem größeren Auto zum Ausweichen zwingen.
Wir müssen Schlaglöchern ausweichen und die künstlichen Huckel quer über die Straße – “Humps” genannt – meistern.
Im Kreisverkehr schaut Karsten aufmerksam in die Außenspiegel, zu gern wird rechts überholt, und trifft die Ausfahrt auf der Überholspur, und der Diesel zieht durch und wir hängen die meisten Drängler ab…

Es liegen eine Menge an Grenzüberschreitungen hinter uns – souverän werden die richtigen Zoll- und Polizeiposten von Karsten und Silvia angesteuert und die Beamten mit einem kurzen Smalltalk aus ihren Stühlen und zu ihren Stempeln geholt.
Es ist nicht viel losgewesen an den westafrikanischen Grenzen, Touristen sind sehr wenige unterwegs.
Trotzdem sind relativ schnelle und reibungslose Grenzübertritte für mich nicht selbstverständlich. Aber das lückenlos ausgefüllte “Carnet de Passage” und das selbstsichere Auftreten von Karsten zeigen den Beamten, dass hier “Auskenner” reisen.

Es liegen eine Menge an Ereignissen und Erlebnissen hinter uns – das afrikanische Leben zumindest ausschnittsweise berührend.
Am Tourbus sieht man links und rechts die afrikanischen Dörfer vorbeiziehen – Lehmhütten rund oder eckig, einfache Steinhäuser oder auch Betonruinen in den Städten.
Die Kinder schreien und winken, die Erwachsenen betrachten erstaunt die afrikanische Außengestaltung des Busses.

Ich bewundere die farbenprächtige Kleidung der Afrikanerinnen und Afrikaner.
Ich habe auf den Märkten für die Erinnerungsstücke und Geschenke gefeilscht mit Freude und meist völlig verschwitzt.

Ich habe Karsten und Silvia auf den Märkten Lebensmittel einkaufen sehen – Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Kartoffeln und andere Zutaten.
Daraus wurde leckerstes Essen fürs Abendbrot hergestellt. Nach meiner Auffassung ist Kochen Hexerei und so war ich bei den größten Hexenmeistern zu Gast – danke an die beiden Köche.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für die mühevolle und akribische Tourvorbereitung und die perfekte Tour von Burkina Faso über Ghana, Togo und Benin zurück nach Burkina Faso.
Es war meine dritte Fahrt in Westafrika mit Silvia und Karsten – ereignisreich wie jedes Mal und immer mit gutem Gefühl, den Flughafen wieder zu erreichen.
Danke für alles – es war großartig!

Was morgen wird, weiß ich nicht – darf ich traurig sein?

Wir bedanken uns herzlich für diese eindrucksvolle Reiseschilderung.